Tagung für Biokunststoffe beschert der Chemieregion neue Fans

Der Kongress „Biopolymer – Processing & Moulding“ in der HALLE MESSE begeistert bei seiner Premiere die internationale Fachwelt. Die Folgeveranstaltung steht für den 21. und 22. Mai 2019 schon im Veranstaltungskalender.

Staatssekretär Dr. Jürgen Ude vom Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt lud die internationalen Gäste mit seiner Eröffnungsrede ein, Sachsen-Anhalt als Investitions- und Wirtschaftsstandort zu entdecken. Foto: Uwe Köhn

Die 120 Teilnehmer folgten gebannt den 16 Vorträgen, die das spannende Feld der Biokunststoffe aus unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchteten. Foto: Uwe Köhn

Carlos Gil von der spanischen Firma Nurel erläuterte Moderatorin Julita Witt die Vorzüge von biologisch abbaubaren Kunststoffen wie Inzea bei mehrschichtigen Anwendungen wie zum Beispiel Verpackungsfolien. Foto: Uwe Köhn

Katja Richter von der halleschen Firma Heppe Medical Chitosan wurden nach Ihrem Vortrag alle Visitenkarten aus den Händen gerissen. Foto: Frank Pollack

Abdelkader Es-sbai aus Marokko stornierte Ticket und Flug zur Fußball-Weltmeisterschaft, um an dem Kongress in Halle teilnehmen zu können. Sein Fazit: „Das hat sich gelohnt.“ Foto: Frank Pollack

Der 20. Juni war im Kalender von Abdelkader Es-sbai schon seit Monaten geblockt. Für diesen Tag besaß der Manager aus Marokko ein Ticket für das WM-Spiel seines Landes gegen Portugal im Moskauer Lushniki-Stadion. Dass die „Löwen des Atlas" am Mittwoch dennoch ohne Es-sbais Unterstützung gegen Ronaldo & Co. auskommen mussten, lag am Kongress „BIOPOLYMER - Processing & Moulding", der am 19. und 20. Juni in der HALLE MESSE stattfand.

„Nachdem ich das Programm gelesen hatte, stand für mich fest: Da musst du hin", verrät der Geschäftsführer der Firma Atlantic Packaging in Tanger. Also wurde das Fußballticket an einen Freund weitergereicht, der Flug nach Moskau storniert und eine Reise ins Mitteldeutsche Chemiedreieck organisiert. Eine Entscheidung, die der Manager nicht bereut hat. „Unser Unternehmen möchte biologisch erzeugte und biologisch abbaubare Kunststoffe in Marokko etablieren", zieht er nach zwei Kongresstagen hochzufrieden Bilanz: „Hier in Halle fand ich genau die Ansprechpartner, die wir dafür suchten!"

Mit diesem Resümee steht er nicht allein. Die 120 Teilnehmer, die unter anderem auch aus Finnland, Belgien, Spanien und der Schweiz angereist waren, zeigten sich durchweg begeistert über die Veranstaltung, die von der in Merseburg ansässigen POLYKUM Fördergemeinschaft für Polymerentwicklung und Kunststofftechnik organisiert worden war. „Inspirierend war, dass hier Wissenschaftler, Hersteller, Distributeure und Anwender unterschiedlichster Branchen zusammenkamen, von der Lebensmittelindustrie über die Medizintechnik bis hin zum Maschinen- und Automobilbau", sagt Philipp Malke von der Hamburger Biesterfeld Plastic GmbH, einem der bedeutendsten Distributeure für Kunststoffe und Additive in Europa. Das Unternehmen war in Halle zugleich auf der Ausstellung präsent, die den Kongress begleitete.

Neben Weltkonzernen wie den Materialherstellern BASF und Mitsubishi Chemicals oder den Kunststoffmaschinenspezialisten KraussMaffei Technologies und Thyssenkrupp präsentierten sich im Vortragsprogramm auch zahlreiche mittelständische Unternehmen aus dem In- und Ausland. So stellte Erwin Le-poudre von der japanischen Firma Kaneka einen biologischen Kunststoff vor, der im Meer bis zu zehn Mal schneller durch Mikroorganismen abgebaut wird als andere bioabbaubare Kunststoffe.

Für große Augen bei den Tagungsteilnehmern sorgte auch Katja Richter von der halleschen Firma Heppe Medical Chitosan. Die Chefin des acht Mitarbeiter zählenden Familienbetriebes beschrieb die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, die der von ihrem Team aus Krebs- und Krappenpanzern – einem Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie – hergestellte Biokunststoff Chitosan in vielen Anwendungsbereichen eröffnet. In homöopathischen Dosen auf Folien aufgetragen, tötet der Wunderwerkstoff Keime ab. Auf offene Wunden gesprüht, stillt das natürliche Polymer binnen drei Sekunden Blutungen. Es wird vom menschlichen Organismus nicht als körperfremd abgestoßen, beeinflusst weder den Geschmack noch das Aussehen von Lebensmitteln und zählt zu den am stärksten nachwachsenden Rohstoffen weltweit. „Nach meinem Vortrag bin ich binnen zwei Stunden alle meine Visitenkarten losgeworden", schmunzelt die Hallenserin, deren Firma sich als Weltmarktführerin für Medizinisches Chitosan in der Pharmabranche bereits einen exzellenten Ruf erworben hat.

Abdelkader Es-sbai vereinbarte bei der Abendveranstaltung am ersten Veranstaltungstag mit dem halleschen Leichtbau-Experten Peter Michel sofort einen Termin für den Folgetag im Fraunhofer PAZ in Schkopau. „Wir haben einen interessanten Plan geschmiedet für eine neue Generation von Transportpaletten", verrät der Manager aus Tanger, der inzwischen sogar ordentliches Mitglied im POLYKUM e.V. ist. „Ich bin mir sehr sicher", sagte er vor seiner Abreise mit Blick auf die Folgeveranstaltung, die für den 21. und 22. Mai 2019 bereits fest terminiert ist, „ich bin nicht der Einzige, den die Region um Halle mit dieser Veranstaltung als Fan hinzugewonnen hat".

Quelle: POLYKUM - Fördergemeinschaft für Polymerentwicklung und Kunststofftechnik in Mitteldeutschland e. V.

Seitenanfang